Der Wein-Trinker-Spruch
Einen Weinberg zu pflegen ist schon schwer,
einen Wein zu pflegen noch viel mehr.
Und schließlich sagt man nicht umsonst,
auch Wein zu trinken ist 'ne Kunst.
Der Wein macht alle Sinne selig,
erst hört man ihn fließen klar und ölig,
dann sieht man ihn golden stehn im Glase
und riecht ihn blumig mit der Nase.
Zuerst sieht man ihn kellerkühl im Traume ,
dann schmeckt man ihn mit Zunge und ,,Gaume“.
Erst wenn der ganze Mund dabei ist,
dann weiß man, was das für ein Wein ist.
Das Gläschen schmeckt noch sauer
und erst nach ziemlich langer Dauer,
getraust du dich den letzte Troppe
zu trinken von dem erste Schoppe.
Dann bestellst du dir den zweiten,
den kannst du schon besser leiden.
Tust dich mit dem Geschmack versöhnen
und dich langsam dran gewöhnen.
Beim dritten wirst du aber munter,
Backe und Nase werden bunter.
Bei jeden Schlucke das merkst du ständig,
allmählich wird der Geist lebendig.
Ein Wink voll Würde nach dem Wirte
und still vergnügt bringt der den vierte.
Bei dem - das hätt ich fast vergessen -
da musst du unbedingt was essen.
Dann tut der fünfte vor dir stehen,
du kommst auf glänzende Ideen,
hast Einfälle wie noch nie im Leben
und kannst auch jedem Kontra geben.
Und gleich drauf sitzt du vor dem sechsten,
jetzt liebst du rückhaltlos dein' Nächsten.
Mit deinem Todfeind in normalen Zeiten,
bist du per Du und kannst ihn leiden.
Der siebte Schoppen der ist kritisch,
der macht die Menschen leicht politisch.
Lass ihn aus, ganz still und sachte,
überspring ihn, nimm gleich den achte.
Ein jeder weiß zum achten Glas
gehört dem Mensch ein Stückchen ,,Kas".
Das reizt den Gaumen, stärkt den Magen,
kurz man kann wieder was vertragen.
Das wär jetzt also schon der neunte,
um dich herum gibt's nur noch Freunde.
Die Gläser und das Hirn werden leerer,
die Köpfe und die Zungen schwerer.
Und von dem zehnten und dem elfte,
trinken zwei Schutzleute schon die Hälfte.
Die wollen Feierabend gebieten
und dich vor einem Rausch behüten.
Wer Wein trinkt, muss sich selber lenken,
an gewisse Grenzen gilt´s zu denken.
Man darf den Karren nicht überladen,
ein Tröpfchen mehr das kann schon schaden.
Mathias Roob - Tel. 06238/674 - m.roob@weingut-herbst.de
